Schachfreunde Paderborn 2000 e.V.
  Möhneseepokal
 

Erfahrungsbericht Möhneseepokal B-Gruppe von Sebastian Kissel

Mit Schützenhilfe zum Pokal

Wie in den letzten Jahren üblich geworden, zog es auch dieses Jahr wieder einige hundert Schachbegeisterte nach Körbecke an den Möhnesee zum 36.  Möhneseepokal. Darunter waren auch wieder einige Schachspieler der Schachfreunde aus Paderborn vertreten.

Donnerstag,

die erste Runde des Möhneseepokals begann, etwas angespannt, spielte ich, mit den schwarzen Steinen spielend, eine altbewährte Variante gegen 1. d4, die moderne Verteidigung (1…, g6; 2.Sf3, Lg7; 3.e3, d6; 4.Ld3, Sd7; 5.c4, e5; 6.Sbd2?!, f5!; etc.) . Dieses Jahr war ich mit großen Erwartungen angetreten, da  ich mit einer DWZ von 1782 als der an 4. gesetzte Spieler mir nur wenig zu Schulden kommen lassen durfte, um in die mit Preisgeld ausgeschrieben Plätze zu gelangen. Mein erster Gegner war Alfred Reuter DWZ 1477, also eigentlich ein Gegner den ich mit verbundenen Augen hätte schlagen müssen, dennoch war mir klar, „Hochmut kommt vor dem Fall“ und unterschätzen darf man keinen Gegner. Ebenso gab es neben meiner eigenen, weitere Partien in der B-Gruppe, die durchaus mein Interesse weckten, da einige mir bekannte Spieler gegen meine direkten Konkurrenten spielen mussten. Um jene Partien verfolgen zu können und einige Bekannte aus der hiesigen Schachszene begrüßen zu können, beendete ich meine Partie recht schnell (wenn man sich, dass nur immer aussuchen  könnte ).

Zu meiner Partie: Ich kam in der Eröffnung relativ schnell in Vorteil und erreichte nach ein paar Ungenauigkeiten des Gegners den vollen Punkt.

Währenddessen erreichten Linus Kuckling und Boris Masalsky gegen meine direkten Konkurrenten je einen halben Punkt. Ebenso stellte Christian Müller, Schachspieler des SV Soest und mein Beifahrer an jenem Tag, dem an Brett 2 gesetzten Martin Bigott ein Bein und konnte ihm einen vollen Punkt abnehmen.

Freitag,

meine Schreckenspartie des 36. Möhneseepokals zeichnete sich nach Lxe5, La6+ ab. In dem mir so geliebten Englischen Angriff der Sizilianischen Verteidigung(1.e4, c5; 2.Sf3, d6; 3.d4, cxd4; 4.Sxd4, Sf6; 5.Sc3, a6; 6.f3!?, b5!?) verteidigte sich mein Gegner Joerg Vonhoff DWZ 1614 recht untheoretisch aber wirkungsvoll und kam schnell zu eindrucksvollem Gegenspiel.

Neben mir waren nun weitere Schachfreunde an den vorderen Brettern vertreten. Kevin Schröder verlor leider gegen den Turnierfavoriten Gerhart Bieberle und Moritz Neukötter kam leider nicht über ein Remis an Brett 7 hinaus, dennoch waren die Ergebnisse für mich und die Schachfreunde insgesamt erfreulich, da Nicolai Masalsky gegen den an 3 gesetzten Marcus Mueller remisierte und Rainer Hötte sich mit seinem zweiten Sieg nach vorne kämpfte. Linus Kuckling sicherte sich mit seinem zweiten Remis, wiederum gegen einen DWZ-stärkeren Gegner einen guten Mittelfeldplatz und Dirk Kuckling gewann seine erste Partie und konnte ebenfalls nun einen vollen Punkt auf seinem Konto verbuchen.

Meine eigene Partie war, nachdem ich aufgrund eines Zwischenschachs s.o. für meine geopferte Figur kein Gegenspiel erhielt, eigentlich schon verloren, doch mein Gegner fand mit Tg8 die praktisch noch einzige Möglichkeit die Partie zu meinen Gunsten zu entscheiden.

Der Nachmittag war, also jedenfalls für mich, wesentlich entspannter, da sich mein Gegner Hans Jörg Steinke DWZ 1670 recht früh dafür entschied sich mit den weißen Steinen ausschließlich zu verteidigen und ich hatte neben der Gelegenheit die moderne Verteidigung im königsindischen Stil(1.d4, g6; 2.c4, Lg7; 3.Sc3, d6; 4.e4, Sd7; 5.Sf3, e5; 6.d5; Se7) zu zelebrieren auch Zeit Jonas Kucklings ersten und Rainer Höttes dritten Sieg zu beobachten. Etwas später erfuhr ich, dass Favorit Gerhart Bieberle nach guter Eröffnung und druckvollem Mittelspiel seine Partie gegen Andreas Feustel verlor und somit mir Brett eins und eine Favoritenstellung schenkte, welche ich im Turnierverlauf nicht wieder hergab.

Meine Nachmittagspartie war wie bereits erwähnt eher einseitig und nach Vereinfachung durch Figurenabtausch und Springeropfer mit Mattangriff leicht gewonnen.

Samstag,

in der 4. Runde spielte ich meine vielleicht schönste Partie des Turniers gegen einen altbekannten jungen Gegner namens Thomas Konstantin Haase DWZ 1707, ehemaliges Mitglied der Schachfreunde und anerkanntes Schachtalent aus Delbrück. In der Französischen Verteidigung(1.e4, e6; 2.d4,d5; 3.Sc3, dxe4; 4.Sxd4, Sd7; 5.Sf3, Sf6; 6.Sxf6+, Sxf6) setzte ich in der Rubinstein Variante auf den seltenen, aber interessanten Zug 7.Se5!?. Thomas fand keine entsprechende Antwort und konnte sich gegen einen durchdachten Königsangriff nicht zu Wehr setzen und gab nach der Drohung Damenverlust oder matt auf.

An den Brettern zwei bis sechs wurden die Partien durchweg remisiert, dabei auch Rainer Hötte. Dadurch konnte ich die alleinige Führung des Feldes übernehmen. Eine gute Leistung konnte Kevin Schröder bei einem Remis gegen Martin Bigott zeigen. Ebenso konnten auch Linus, Jonas und Dirk Kuckling jeweils in Folge mit den schwarzen Steinen gewinnen. Für die Überraschung des Tages sorgte allerdings Nicolai Masalsky, indem er Gerhart Bieberle schlug und ihn vorzeitig vom möglichen Traum Turniersieg befreite, da dieser mit nun 2 Punkten Rückstand, zwar noch theoretische, aber keine praktische Chancen auf einen Triumph in Aussicht hatte.

Die fünfte Partie konnten wir gestärkt nach einem gemeinsamen Pizzaessen antreten. Erneut traf ich auf einen jungen Gegner, der schnell versuchte aus meiner modernen Verteidigung in eine königsindische Variante(1.d4, g6; 2.c4, Lg7; 3.Sc3, d6; 4.e4, Sd7; 5.Sf3, e5; 6.Le2; Se7) überzuleiten. Sein Name ist Joshua Eckart, der sich wie sich herausstellte einer meiner stärksten Konkurrenten um den Turniersieg war. Er opferte in der Eröffnung einen Bauern und erhielt dafür Druck auf meine Stellung, welchen er nicht überzeugend auszunutzen vermochte, da er statt einen Bauern zu nehmen der Qualitätsgewinn bedeutet hätte lieber einen minderwertigen seiner Art nahm, der ihm nach weiteren Zügen nur ein Remis einbrachte.

Zeitgleich punkteten die anderen Schachfreunde eher dürftig, nur Linus und Jonas konnten ihren Gegnern einen halben Punkt abnehmen. Außerdem erhielt Gabi Kuckling ihren ersten Punkt.

 
Sonntag,

der Tag der Entscheidung war angebrochen und mein nächster Gegner war, der aus dem nordöstlichen Städtchen Eberswalde in Brandenburg anreisende Mario Luckian DWZ 1728. Er antwortete auf meinen ersten Zug e4 mit der Aljechin-Verteidigung, die ich ablehnte, sodass sich nach seinem nächsten Zug die Wiener Partie(1…, Sf6; 2.Sc3, e5; 3.d3, Sc6; 4.Lg5?!,Le7; 5.Sf3, d6; 6.Dd2, Le6) ergab.

Der letzte Tag des Möhneseepokals begann für die Schachfreunde recht durchwachsen. Sowohl Kevin Schröder als auch Boris Masalsky und Gabi Kuckling konnten volle Punkte erkämpfen. Lediglich Moritz Neukötter trennte sich von seinem Gegner unentschieden.

Ich stand zugegeben nach der Eröffnung leicht schlechter, was sich aber nach einem drastischen strategischen Fehler meines Gegners wieder einpendelte. Aufgrund dessen war meine Stellung wesentlich leichter zu spielen als seine und nach ein paar taktischen Schlägen war die Partie nach langem Kampf gewonnen.

Am Nachmittag kam es schlussendlich zum Finale in der B-Gruppe. Mein Gegner war kein geringerer als Carl-Friedrich Werring DWZ 1741. Auf dem Brett entstand die Englische Partie mit dem typischen Läuferfianchetto(1.c4, g6; 2.g3, Lg7; 3.Lg2, d6; 4.Sc3, e5; 5.Sf3, Sc6; 6.d3, h6!?), welches ich aufgrund meiner modernen Verteidigung kopierte.

Linus, Jonas und Dirk Kuckling gewannen wiederum in Folge dieses mal jeweils mit den weißen Steinen. Ebenso konnten Nicolai Masalsky und Kevin Schröder ihre Partien erfolgreich beenden, sodass Sie beide das Turnier mit 4,5 Punkten zu Ende bringen. Moritz Neukötter und Rainer Hötte einigten sich und schlossen das Turnier mit einem Remis und 4 Punkten ab.

Meine Partie verflachte nach einem Tausch zweier Leichtfiguren und einer Bauernblockade im Zentrum recht schnell, sodass sich ein strategisch schwieriges Mittel- und Endspiel abzeichnen ließ. Nach einem kurzen unschönen Spiel akzeptierte mein Gegner im 19. Zug mein Remisgebot. Das Zittern, um die vorderen Plätze begann, da nun die Bretter 2 und 3 die Entscheidung bringen musste. Einzig eine entschiedene Partie konnte sowohl mich als auch Carl noch von den ersten beiden Plätzen fernhalten.

Nach mehrstündiger Wartezeit erfuhr ich aus vertraulicher Quelle die Endergebnisse der beiden Verfolgerbretter. Es war vorbei… Aus und vorbei. Die beiden ersten Plätze waren vergeben. Mein Kontrahent und ich hatten gewonnen. Die Partien unserer direkten Verfolger endeten remis. Aber was bedeutete dies wirklich, wer von uns beiden nun erster war, stand noch nicht endgültig fest. Die Feinwertung musste entscheiden, wer den Pokal für ein Jahr lang behalten dürfe. Immer wieder erfragte ich bei der Turnierleitung den aktuellen Stand der noch ausstehenden Ergebnisse der Gegner, welche wir zuvor bekämpft hatten. Ich saß wie auf heißen Kohlen, doch dann die Entscheidung. Daniel Quernheim, IT-Spezialist und Mitglied der Turnierleitung schüttelte mir die Hand und verkündete mir, dass  ich uneinholbar in der Feinwertung vorne lag und Turniersieger der B-Gruppe des 36. Möhneseepokals war.

 

 
 
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